Dürers Sternkarten von 1515
Ausstellung im Dürerhaus Nürnberg 2015
Dürer-Sternkarte des Nordhimmels

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Objekt
Titel
Dürer-Sternkarte des Nordhimmels
Herstellung
Hersteller (Name, Vorname)
Herstellerrolle
Holzschneider, Entwerfer
Herstellungsdatum
1515
Ort/Region
Material
Papier
Technik
Holzschnitt
Inventarnummer
SUB Göttingen 2 Astr. II, 325 Rara
Bilder Copyright
cc-by-sa

Beschreibung:

Himmelskarte: "Imagines coeli Septentrionalis cum duodecim imaginibus zodiaci". Nördliches Blatt

aus: Focus Behaim-Globus, Ausstellungskatalog, Bd.2, S.521f.

(c) GNM cc-by-sa 3.0

Albrecht Dürer, Conrad Heinfogel und Johann Stabius, 1515
Holzschnitt, 43 x 43 cm.
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inv.Nr. StN. 12362 H 7774

Das Blatt zeigt den nördlichen Sternenhimmel in stereographischer Projektion, mit dem nördlichen Ekliptikpol im Zentrum. Die Ekliptik hat eine zwölffach wiederholte Gradteilung (0° - 30°) mit Bezifferung in Fünferschritten. Die Zeichen des Tierkreises werden durch Symbole angedeutet. In den linken Ecken zeigen sich die zwei Dichter Aratus Cilix und M. Mamlius Romanis (Manilius), die beide durch ihre astronomischen Dichtungen berühmt geworden sind. In den rechten Ecken sind die zwei namhaften Astronomen "Ptolemeus Aegyptus" und "Azophi Arabus" (al-Sufi) (Kat.-Nr. 1.6) dargestellt.

Alle klasssichen Sternbilder des Tierkreises und die nördlich davon sind wie auf einem Himmelsglobus gezeichnet. Die menschlichen Gestalten erscheinen in Rückenansicht. Die Darstellung der Sternbilder ist nahe verwandt mit derjenigen, die die Nürnberger Karte von 1503 (Kat.-Nr 1.18) zeigt. Es gibt aber einige Änderungen wie der Stuhl der Cassiopeia und das Bild der Leier ist nicht länger ein fallender Vogel, sondern ein Vogel, dessen Leib zu einer Art Geige geworden ist. Dieses fremde Wesen hat sich in der ikonographischen Tradition sehr lange behauptet und ist zum Symbol für den Einfluß der arabischen Sternkunde auf Europa geworden. Dadurch war nämlich das griechische Musikinstrument Leier zum Vultur Cadens geworden. Dürer hat die beiden Traditionen in einem Bild vereinigt. Die Namen der Sternbilder sind im Vergleich mit der Nürnberger Karte auch ein wenig anders. Nicht nur ist Vultur Cadens zu Lyra geworden, Vultur Volans heißt nun (und später) Aquila.

Die Sterne tragen in jedem Bild eine Nummer. Ihre Positionen sind dem Sternverzeichnis von Ptolemäus entnommen, aber die ekliptischen Längen sind um 19°38' größer als bei ihm. Diese Zunahme der Länge, von der Präzession herrührend, stimmt gut überein mit manchen Verzeichnissen der Zeit, dessen Präzessionskorrektur für die Epoche 1500 nach der Alphonsinischen Fassung berechnet ist und von denen in Nürnberg mehrere Exemplare erhalten geblieben sind. Nur die hellsten Sterne sind als solche angegeben; die sechs Helligkeitsklassen des Ptolemäus und die Namen der einzelnen Sternen fehlen.

Die Karte ist das Resultat einer Zusammenarbeit dreier großer Nürnberger gewesen. Zwei davon, der Mathematiker Johannes Stabius (gest. 1522) und der Astronom Conrad Heinfogel (gest. 1517) haben die Koordinaten und die Sternpositionen besorgt, während Albrecht Dürer (1478 - 1528) die Sternbilder gezeichnet hat. Durch die kunstvolle Art, in der er die Bilder darstellte, übte die ikonographische Tradition, die seinen Erfindungen zugrunde liegt, großen Einfluß auf das gesamte 16. Jahrhundert aus.

Literatur: W. Voss: Eine Himmelskarte vom Jahre 1503 mit den Wahrzeichen des Wiener Poetenkollegiums als Vorlage Albrechts Dürers. In: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen 64, 1943, S. 89 150. - Deborah Jean Warner: The Sky Explored. Celestial Cartography 1500 - 1800. New York 1979, S. 71 - 75. - Kurt Pilz: 600 Jahre Astronomie in Nürnberg. Nürnberg 1977, S. 153 - 157.

E.D. (Elly Dekker)